Bad Saarow: Haus Ulmenstraße 16 | Haus Seestraße 27
Tetens Villa in Bad Saarow#

Die Tetens Villa 1930 - erbaut vom Berliner Architekten Ernst Kopp: hier die Abbildung aus dem Buch "Gesetzmäßiges Bauen" von Ernst Kopp, erschienen im Bachem-Verlag Köln 1932.

Bad Saarow und die Landhaussiedlung

Plan Landhaussiedlung von Ludwig Lesser#
Plan von Ludwig Lesser für die "Landhaus Kolonie Bad Saarow-Pieskow

Die Geschichte des Hauses hängt eng mit der Entwicklung von Bad Saarow zusammen: Ludwig Lesser, der Berliner Garten- und Landschafts­architekt hatte Bad Saarow um 1910 entworfen und das Konzept der Bad Saarower Landhaussiedlung entwickelt.

Kauf der Grundstücke durch die Brüder Tetens 1929

Ende der 20er Jahre kauften sich die Brüder Tetens zwei Grundstücke aus diesem Areal: Fritz Tetens erwarb ein Grundstück an der Ulmenstraße 13 (heute 16) und Otto Tetens kaufte sich als Alterssitz das Grundstück an der Seestraße 20 (heute 25). Der eine als seinen Wochenendsitz für die Familie aus dem nahen Berlin, der andere als Wissenschaftler im Observatorium Lindenberg ca. 10km südlich von Bad Saarow. Später kamen noch die beiden Grundstücke daneben hinzu. Die Gesamtfläche beträgt fast 6500 qm.

Otto und Dorothea Tetens im Hause Seestraße

1930 bezog Otto Tetens mit seiner amerikanischen Frau Dorothea geb. Heimrod das Haus. Die beiden hatten sich in Samoa kennengelernt, als Otto Tetens dort von 1902 bis 1905 das Apia Observatorium im Auftrage der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen aufbaute und Dorothea Heimrod mit ihrem Vater George, dem amerikanischen Konsul in der Deutschen Kolonie in Samoa lebte.

Schicksal des Hauses 1945

1945, kurz vor dem Kriegsende starb Otto Tetens, Dorothea Tetens musste das Haus gleich nach dem Kriegsende verlassen: die Sowjetarmee beschlagnahmte den gesamten Hausbestand des Kurparks und der Villen. Sie verließ Deutschland 1948 und kehrte zurück in ihre amerikanische Heimat nach New York City. Dort starb sie im Jahre 1966.

Die Familie erbt die Grundstücke

Die Häuser erbte dann die Tochter von Fritz Tetens, Ingeborg Böttger. Dr. Ingeborg Böttger lebte mit ihren Kindern einige Jahre während der Kriegszeit in Bad Saarow und sie war dort als Hausärztin tätig, da der ortsansässige Arzt zum Militärdienst berufen wurde.

Rückgabe nach Abzug der Sowjetarmee

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Das Haus im Februar 1992

Die Grundstücke blieben über die gesamte DDR-Zeit und der Besetzung durch die Sowjetarmee im Eigentum der Familie. Das Haus von Otto Tetens und die beiden freien Grundstücke wurden 1994 durch die Bundesvermögensverwaltung von der Sowjetarmee übernommen und den Eigentümern 1997 wieder zurückgebeben.

Heute und Zukunft

Heute sind die Häuser im Besitz ihrer Tochter Christiane, die beide Häuser 2006-2008 renovieren und restaurieren ließ. Die Arbeiten wurden geplant und durchgeführt von der Bad Saarower Architektin Carola Petzold, die bereits eine ganze Reihe von wertvollen Häusern und Gebäuden der Geschichte des Ortes wiedererweckt hat: das klassische Moorbad an der Ulmenstraße, den kaiserlichen Bahnhof mit seinen eindrucksvollen Massivholzsäulen-Kolonaden, die Scharwenka-Villa (Erhaltungsmaßnahmen) u.a.m. Einige der Häuser sind ebenfalls von Ernst Kopp gebaut worden.

Das Haus Seestraße 25 ist möglichst originalgetreu restauriert worden. Vieles war erhalten und ließ sich wiedererstellen. Soweit wie möglich wurden alle Bauteile restauriert. Alle Fenster mit ihren Beschlägen, die Türen, der Holzfußboden, die Deckenformen sind im Originalzustand. Die verborgene Schiebetür im Erdgschoß wurde wiederentdeckt, die Wandeinbauten der Sowjetarmee zur Erstellung vieler kleiner Räume wurden zurückgebaut, um die großzügige Fläche des Erdgeschosses wieder herzustellen. Der Keller enthält als Relikt und Erinnerung an die Zeit der Sowjets Graffitis an den Wänden, meist Eintragungen der Bewohner, Name, Ort und Jahr in kyrillischer Schrift. An die letzten Tage der Kriegshandlungen 1945 erinnern die Einschüsse am Gebäude und den Balkongeländern. Sie wurden so belassen, um die Geschichte des Hauses auch aus jener Zeit zu dokumentieren.

Das Haus soll als wichtiger Bestand im Kurparkbereich von Bad Saarow erhalten bleiben. Es ist als Familienhaus gedacht und soll an Menschen vermietet werden, die einen Bezug zur Geschichte und Architektur dieses Hauses haben und dem Haus neues Leben geben mögen.