Bad Saarow: Haus Ulmenstraße 16 | Haus Seestraße 27

Das Haus wurde zwar erheblich durch die Sowjetarmee auf die Belange "möglichst viele Leute unterbringen" umgebaut, aber die eigentliche Struktur wurde nicht verändert.

Um eine Eindruck zu bekommen, wie das Haus vor der Restaurierung aussah hier ein Link zu  Panorama-Fotos mit dem Zustand vor Baubeginn im Sommer 2007:

Innen das Südwestzimmer: hier klicken

Außen die Ansicht und der Garten: hier klicken


Wände und Struktur:

Es wurden mehrere Wände eingezogen, um aus den "viel zu großen" Zimmern mehrere kleine abgeschlossene Einheiten zu machen. So wurde auch die Schiebetür zwischen dem "Empfangszimmer" und dem Wohnraum entfernt und zugemauert: die Öffnung war aber erkennbar und die Wandöffnung für die Türen bestand noch. So konnte dieses Details wieder restauriert werden. Bei der Gestaltung der Tür konnte man sich anlehnen an die gleichartige Tür des Hauses Moorweg von Ernst Kopp: dort war zur gleichen Zeit mit den gleichen Baumaterialien eine etwas kleinere Villa gebaut.

Fußboden:

Der Fußboden des Hauses war 50 Jahre unter einem PVC-Boden versteckt: wieder freigelegt und abgeschliffen, entdeckte man einen sehr schönen Boden, größtenteils aus Lärche. Das gibt dem Haus eine Originalnote, die man nie nachahmen kann.

Fenster und Türen:

Das wichtigste Element eines Hauses sind sicherlich die Fenster und Türen: alle hatten die Zeit von 1945 bis heute gut überstanden. Es war zwar nicht ganz einfach, sie zu restaurieren, aber das Ergebnis ist hervorragend. Die Doppelkastenfenster hatten ihre Original-Messing-Oliven, dick übermalt von mehreren Schichten Farbe. Das bewahrte sie sicherlich vor der Mitnahme beim Auszug. Heute sind sie ein besonders schönes Detail der Wohnung. Nur wenige Originalfenstergriffe fehlten. Diese sind im Obergeschoss mit bauähnlichen Griffen in massivem Messing (Naturoberfläche) ergänzt. Die Fenster wurden neu verglast: bewusst in Einfachverglasung, denn alles andere würde die Struktur und Bauweise der Fenster zerstören. Da war es schön, ein Handwerksunternehmen (Stadt-Bau in Frankfurt/O) zu finden, die diese Technik mit verkitteten Glasscheiben noch beherrschte.

Türbeschläge:

Türgriffe: die Originalgriffe der Türen, die wohl aus Messing bestanden, sind verloren gegangen. Sicherlich schon in der Anfangsphase scheinen sie ausgebaut worden zu sein. Einige wenige Türgriffe an den Terassentüren jedoch blieben erhalten (ebenfalls durch Farbe zugedeckt). Daran angelehnt wurden alle Türklinken im Erdgeschoss und Obergeschoss mit massiven Messingklinken ausgestattet. Die Oberfläche ist dabei Natur und poliert: schon nach kurzer Zeit bekommt das jetzt noch hochglänzend aussehende Material eine schöne matte Patina durch die Benutzung. Dann erst entsprechen sie dem gewünschten Eindruck.

Linoleum in der Eingangshalle:

Linoleum im Eingangsbereich: der großzügige Eingabsbereich mit den zwei portalartigen Türen (Hauseingang und Tür zum Wohnbereich sind in Form, Größe und Stil baugleich, mit großem Rundbogen oberhalb der extra-hohen Tür) wird durch den wiederentdeckten Fußbodenbelag Linoleum sehr klar und zurückhaltend unterstrichen. Dieser Belag, der in den Zwanziger und Dreißiger Jahren aufkam, passt sich sehr schön den baulichen Verhältnissen an. Der dunkelgraue Farbton wird dann in weiteren Elementen wieder aufgenommen.

Die Treppe:

Treppe nach oben: ein Treppenhaus hat eine wichtige Rolle für den Eindruck eines Hauses. Ganz besonders trifft das hier in der Tetens Villa zu: Sie erschließt den oberen Bereich mit den Schlaf- Kinder- und Badezimmern. Der Zustand der Treppe vor dem Umbau wurde dem nicht gerecht. Umso überraschender war die Wirkung nach der Renovierung. Die Treppe ist weiß lackiert und wirkt mit dem Originalgeländer mit Handlauf im selben Grau wieder der Fußboden der Eingangshalle großzügig, schlicht und elegant. Sie endet auf dem Flurbereich des Oberschosses mit seinem schönen Naturholzboden.

Kurioses:

Besonderheiten, die erst bei der Renovierung auftauchten: Im großen (Schlaf-)Zimmer oben tauchte plötzlich ein zugemauerter Wandschrank auf. Offenbar konnte man damit nicht viel anfangen. Nun ist er wieder da und das Rätsel der Grundrissvermessung mit einer Differenz von 50 cm ist geklärt.

Badezimmer:

Die Bäder sind an gleicher Stelle, wie vor, jedoch angepasst an den heutigen Standard. Sie entsprechen damit dem, was damals das Niveau war für die heutige Zeit. Das Hauptbad ist direkt vom großen (Eltern-?)Schlafzimmer durch einen Ankleideraum (begehbarer Kleiderschrank) erreichbar. Aber auch vom Flur geht eine Tür dorthin. Das zweite Bad ist für die anderen Schlafräume gedacht.

Kellerräume:

Das Haus hat enorm großzügige und zum Teil sogar sehr hohe Kellerräume. Diese dienten offenbar während der Sowjetzeit auch als Wohnraum. Die vielen Graffitis der Bewohner an den Wänden bezeugen das. Und darum sind ein Teil der Graffitis auch erhalten geblieben, erninnernd an die Zeit von 1945 - 1994, in der das Haus zum Bereich des Sanatoriums der Sowjetarmee gehörte. Die damals platzfressende Zentralheizung mit Koksbeheizung brauchte allein einen großen Kellerraum, der durch die zeitgemäße Erdgasheizung heute völlig frei wurde, da die Heizung nur noch ein kleines Wandgerät in einem anderen Kellerraum ist. Nach hinten, zum eigenen Kellereingang aus dem Garten gabe es die Wascheinrichtungen der damaligen Zeit: großer Zuber, beheizt. Hier, über diesen Eingang wurde auch alles das in den Keller gebracht, was man zur Vorratshaltung dort bewahrte. Offenbar haben die Tetens das sehr geschätzt.

Dach und Dachboden:

Die Ziegel des Hauses, ganz besonders im Buch von Ernst Kopp 1932 bei der Beschreibung des Hauses herausgestellt, sind weitgehend erhalten geblieben: zumindest die Süd- und Westseiten des Hauses sind damit eingedeckt. Die Eindeckung wurde erneuert, mit Spannbahnen aus Textil abgedichtet aber ansonsten wurde der natürliche Luftaustausch des Hauses erhalten. Der Dachboden ist sozusagen der Wärmepuffer. Der Dachboden war offenbar ebenfalls von der Sowjetarmee als Wohnraum ausgebaut gewesen. Dies ist aber auf den Originalzustand zurückgebaut worden. Dabei wurden auch die Holzkonstruktionsteile, die entfernt worden sind, statisch aber notwendig waren, wieder eingebaut. Ob es später mal einen Ausbau des Daches geben wird, sei anderen vorbehalten. Jetzt war das Ziel, ganz originalgetreu den Zustand des Hauses zur Zeit von Otto und Dorothea Tetens wieder zu erstellen.

Aussicht auf dem Dach:

Der Name "Sternguckerhaus" stammt von einer kuriosen Besonderheit des Hauses: die Aussichtsplattform des Astronomen Professor Otto Tetens. Die hat er sich gebaut, um seiner eigentlichen Profession nach der Pensionierung in Lindenberg nachgehen zu können. Heute ist es ein wunderschöner Ausblick auf die Umgebung. Im Winter, wenn die Bäume lichter sind, ist auch der Scharmützelsee Teil des Panoramas. Jeder Besucher, der erstmals auf die Plattform kommt, ist erstaunt "wie hoch" man über allen Dingen schwebt. Ein besonders Erlebnis.

Fensterläden:

Ein Detail ist interessant. Das Haus hatte in der Planung Fensterläden. Die Beschläge sind in der Wand vorhanden. Aber es gibt keinen Hinweis darauf, dass es diese Fensterläden wirklich gab. Nun, in der Restaurierung wurde diese Fensterläden entsprechend dem Entwurf von Ernst Kopp wieder erstellt. Wenn es sie bisher noch nicht gab, dann ist das Haus nun damit "fertiggestellt". Sie sind ein wichtiges gestalterisches Element des Hauses und durften bei der Restaurierung nicht fehlen.

Kamin/Kachelofen:

Der offene Kamin oder Kachelofen im Wohnraum: aus Erzählungen ist zu entnehmen, dass im Wohnraum ein großer Kachelofen gestanden haben soll. Es soll sich sogar um Meißener Kacheln gehandelt haben. Denkbar ist das und auch die Entfernung durch die Bewohner des Hauses. Man brauchte die Fläche als Wohnraum und die Heizung war durch ein Fernwärmesysstem auf dem Gelände ersetzt worden. Der Platz ist aber vorhanden, der Anschluß an den wiedererstellten Kaminzug mögiich. So wäre es schön, wenn dieser Akzent des Hauses zurück kommen würde.

Lichtschalter und Heizungen:

Zwei Details, die wohl in der allerletzten Zeit während der Nutzung durch die Sowjet verloren gingen, waren die Lichtschalter und viele Heizkörper. Darum sind diese beiden Elemente möglichst im Stil der Bauzeit erneuert worden: Drehschalter auf einer Glasplatte und Röhrenheizkörper statt moderner Konvektionsheizkörper passen besser zum Stil des Hauses und unterstreichen die stilistische Richtung der Bauzeit von 1929-1931.

Der Weg:

Der Weg zum Haus von der Seestraße: einer der letzten "archäologischen Funde" bei der Restaurierung war die Freilegung des Originalweges, der von der Seestraße durch die kleinen, niedrigen Eingangpodeste mit der runden Kugel signalisiert wird und direkt zentral auf das Gebäude zuläuft. Auch er gehört stilistisch zum Haus und wurde daher genau so erhalten. Der Garten und Baumbewuchs besteht noch teilweise aus Bäumen der Bauzeit 1930, manches ist aber dazu gekommen oder aus Altersgründen verschwunden. Der Stil des Gartens mit seiner großen Distanz zur Straße ist aber erhalten geblieben und von den 50 Jahren Nutzung nicht zerstört worden. Hier besteht aber noch Gestaltungsbedarf.

Nachbargrundstück:

Das eigentliche Grundstück des Hauses beträgt ca. 1600 qm. Optisch und sachlich nah verbunden ist es mit dem Nachbargrundstück. Darüber läuft auch derzeit die Zufahrt über die Teerstraße. Zusammen sind da nun über 3000qm. Das gibt dem Haus die Großzügigkeit und die Ruhe, die es kennzeichnen. Die Flächen des Hauses Ulmenstraße 16 und dem auch dort unbebauten Nachbargrundstücks unterstreichen dies noch. Es wäre schön, wenn dies so erhalten werden könnte und nicht etwa "jeder Quadratmeter" bebaut würde.

Diese Details sind nur ein Teil der gesamten Hausgeschichte und werden sicherlich noch ergänzt. Sie zeigen aber, wie wichtig und bedeutsam das Wiederentdecken der ursprünglichen Details und das Bewahren der Grundstruktur sein kann. Dies macht den Stil und Eindruck eines Hauses aus. Darum verzichten wir auf "moderne Gestaltung", "mehr Licht", "mehr Wärmedämmung". Viele dieser Ideen sind nicht wirklicih nachhaltig. Darum ist Behutsamkeit angesagt. Man kann schnell mit einer Maßnahme kaputt machen, was 77 Jahre zum Wesentlichen gehörte. Und es bleibt zu hoffen, dass es Menschen gibt, die genau dies schätzen für ihre Wohnung und ihr Haus.

HN/20.11.2008